Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) oder Legasthenie?

LukasWichtig ist zunächst das Erkennen eines möglichen Problems des Kindes beim Erlernen oder im Umgang unserer Kulturtechniken Lesen und Schreiben. Da dies in den meisten Fällen erst mit dem Eintritt in die Schule zutage tritt, sollte der erste Weg vorerst zur Klassenlehrerin/zum Klassenlehrer führen.
Zusätzlich können sich Eltern bzw. Betroffene an folgende Einrichtungen wenden:

  • Erster Österreichischer Dachverband Legasthenie
  • LegasthenietrainerInnen
  • Landesschulrat
  • Gesundheits- und Klinische PsychologInnen

Treten schulische Probleme auf, ist die Rede zunächst einmal von einer Lernschwäche oder Lernstörung. Da in den meisten Fällen aber nicht alle Unterrichtsgegenstände davon betroffen sind, muss vorab eine genaue Ursachenforschung betrieben werden. Ein Wegweiser hierfür ist die Unterscheidung zwischen einer LRS (Lese-Rechtschreibschwäche) und Legasthenie.


Lese- Rechtschreibschwäche (LRS)

LRS ist eine Abkürzung und bedeutet Lese- Rechtschreibschwäche. Lese- Rechtschreibschwäche ist etwas Erworbenes und kann verschiedene Ursachen haben:

  • vermindertes Seh- oder Hörvermögen
  • Sprachstörungen
  • Ereignisse innerhalb der Familie, die das Kind kurzfristig stark beeinflussen, wie z. B. Scheidung, Trennung der Eltern, Verlust eines Familienmitgliedes usw.
  • Unterrichtsmethoden, die für das Kind ungeeignet scheinen
  • zu wenig Übung, die zu Lerndefiziten führt
  • Hyperaktivität
  • entwicklungsbedingte Ursachen
  • intelligenzabhängige Ursachen

Nach Abklärung der Ursachen kann eine LRS durch intensives Üben in den meisten Fällen behoben werden.


Legasthenie

Die Bezeichnung Legasthenie stammt aus dem Altgriechischen und setzt sich zusammen aus: legein  („sprechen“ bzw. „lesen“, „schreiben“, „auslegen“) und astheneia („Schwäche“ bzw. „unfähig sein etwas auszulegen“). Weitere Bezeichnungen sind: Dyslexie, Spezielle Lese-Rechtschreibschwäche oder Lese-Rechtschreibstörung. Klinische PsychologInnen sprechen in diesem Zusammenhang auch von Teilleistungsstörungen.
Restlos geklärt sind die Ursachen der Entstehung einer Legasthenie noch nicht. Es deutet allerdings vieles darauf hin, dass Legasthenie genetisch bedingt ist und somit vererbt wird.
Legasthenie bedeutet eine Beeinträchtigung beim Erlernen des Lesens und Schreibens aufgrund einer differenzierten Wahrnehmung. Legasthene Menschen verfügen über eine durchschnittliche bis überdurchschnittliche Intelligenz, verarbeiten jedoch optische, akustische und räumliche Informationen einfach anders. Um Schreiben und Lesen erfolgreich lernen zu können, muss die optische, akustische und räumliche Wahrnehmungsverarbeitung reibungslos funktionieren. Dies ist bei legasthenen Menschen nicht der Fall.
Die Erscheinungsformen einer Legasthenie sind sehr vielfältig. Möglich Anzeichen sind:

  • leicht ablenkbar bei der Beschäftigung mit Symbolen (Buchstaben)
  • wirkt entweder verträumt oder weist eine verkrampfte Körperhaltung beim Lesen und Schreiben auf
  • stockendes, langsames Lesen; Auslassen von Textzeilen
  • erfindet Wörter, die gar nicht im Text stehen
  • erkennt Satzzeichen (Punkt, Beistrich, Fragezeichen, Rufzeichen...) nicht
  • Schwierigkeiten beim Zerlegen eines Wortes in Silben
  • Schwierigkeiten, Reime zu erkennen
  • teilweise unleserliches Schriftbild
  • wenig bis keine Motivation sich mit Schreiben und Lesen zu beschäftigen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • macht Wahrnehmungsfehler wie z. B.:
    • ein Wort wird in einem Text unterschiedlich falsch geschrieben
    • „einfache“ Wörter werden oft falsch geschrieben
    • „schwierige“ Wörter werden oft richtig geschrieben
    • Buchstaben werden ausgelassen oder hinzugefügt
    • Buchstaben werden umgestellt (ie/ei oder b/d oder g/d)
    • Schwierigkeiten bei der optischen Unterscheidung von Buchstaben
    • Schwierigkeiten bei der akustischen und/oder optischen Unterscheidung klangähnlicher bzw. klanggleicher Laute

LRS oder Legasthenie